Profil des GRK 780
- Die erste Förderphase 2002 - 2005 und die laufende Förderphase
- Exzellenz und Interdisziplinarität
- Innovation
- Internationalität
- Nachwuchsförderung
- Aufnahme von nicht durch die DFG geförderten Kollegiaten
- Betreuungsstrukturen
- Außenkontakte zu öffentlichen Institutionen und zur Wirtschaft
1. Die erste Förderphase 2002 - 2005 und die laufende Förderphase» Nach oben
Das Graduiertenkolleg hat in der ersten Förderphase GRK 780/1 mit dem Titel "Stadtökologische Perspektiven einer europäischen Metropole - das Beispiel Berlin" zum grundlegenden Verständnis des urbanen Naturhaushalts und der gesellschaftlichen Rezeption und Gestaltung beigetragen. Dabei orientierte sich die Kollegarbeit am multidisziplinären Schichten- und Transektansatz der Berliner Schule von Herbert Sukopp. In der zweiten Förderphase (GRK 780/2) "Schrumpfende Großstädte: Strukturwandel als Chance für urbane Naturentwicklung und verbesserte Lebensumwelt der Stadtbewohner" wird derzeit untersucht, wie Natur und Gesellschaft in der Stadt auf Veränderungen grundlegender Rahmenbedingungen für die urbane Entwicklung reagieren und welche Mechanismen dem zugrunde liegen. Die Arbeit orientiert sich an übergeordneten Leitbildern, wie sie etwa auf der Basis der lokalen Agenda 21 des Deutschen Städtetages für die Stadt Leipzig formuliert wurden:
A - Die physische und psychische Gesundheit des Menschen ist unmittelbar und vorsorgend zu schützen.
B - Die Natur stellt für den Menschen einen Wert an sich dar. Sie hat Lebens- und Existenzrecht, unabhängig vom Nutzen für den Menschen.
C - Die Stadt trägt Verantwortung für die Wirkungen ihres Handelns über ihre räumlichen Grenzen und den Augenblick hinaus.
Anhand von Leitfragen wurden Themenfelder identifiziert, deren Bearbeitung in Teilprojekten erfolgte. Von Anfang an war Konsens, dass nicht nur die klassischen Umweltsphären - Atmosphäre, Pedosphäre, Hydrosphäre und Biosphäre - Untersuchungsgegenstand sein sollten, sondern dass auch die Anthroposphäre, die vielfältigen und unterschiedlichen Eingriffe des Menschen in die städtischen Ökosysteme, zu untersuchen seien. Gleichfalls sollten Verbesserungen und Neuentwicklungen von Bewertungs- und Planungsmethoden erarbeitet werden. Entsprechend den Besonderheiten von Graduiertenkollegs erfolgte eine integrative Zusammenarbeit der Teilprojekte in anfänglich 4, später 3 Workpackages zum "Natürlichen System Stadt mit pflanzlicher und tierischer Biodiversität", zum "Gesellschaftlichen System Stadt" und zur "Methodik". Die Ergebnisse bzw. der Bearbeitungsstand sowohl der integrativen als auch der separativen Teile des Graduiertenkollegs sind im Abschlussbericht von GRK 780/1 und im Zwischenbericht von GRK 780/2 (September 2005) dargestellt.
Im Kern haben die beiden ersten Förderphasen erheblich zum Verständnis wesentlicher stadtgeprägter Mechanismen in Hinblick auf ihre Funktionen für den urbanen Naturhaushalt und das Lebensumfeld von Stadtbewohnern beigetragen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit und das Kooperationsvermögen der das Kolleg tragenden Personen während der ersten beiden Kollegphasen manifestieren sich auch in der angestrebten Verlängerung für die derzeitige zweite Kohorte und den vorgelegten Antrag für eine dritte.
2. Exzellenz und Interdisziplinarität» Nach oben
Die Komplexität der zentralen Idee macht auch in der dritten Phase einen interdisziplinären Ansatz erforderlich; denn die zentralen Fragen der Stadtökologie können nur durch Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinaus gelöst werden. Diese Grundvoraussetzung von Graduiertenkollegs gilt uneingeschränkt auch für die zweite Verlängerung. Der vorliegende Antrag zeichnet sich dabei durch eine noch engere Verbindung der 9 Antragsteller(innen) und ein noch stringenter konzipiertes Forschungsthema aus. Die Auswahl der Antragsteller erfolgte dabei nach der inhaltlichen Fokussierung der Kollegarbeit und dem zu erwartenden Engagement. Die Antragsteller kommen aus den Wissenschaftsdisziplinen Geographie, Biologie, Ökologie, Hydrologie, Psychologie und Bodenkunde. Die Zusammenarbeit der Berliner Universitäten, schon im Erstantrag im Wesentlichen getragen durch die Humboldt-Universität (HU) und die Technische Universität (TU) zu Berlin, hat sich ohne Einschränkung bewährt. Gleiches gilt für den Einbezug einer Großforschungseinrichtung, dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Den Antragstellern stehen in der speziellen Wissenschaftsdisziplin ausgewiesene assoziierte Wissenschaftler(innen) als Co-Antragsteller(innen) zur Seite, die in der Regel aus der ersten Kollegphase entsprechende wissenschaftliche und organisatorisch-administrative Erfahrungen mit der Kollegarbeit mitbringen oder zum wissenschaftlichen Nachwuchs (Privatdozenten und Juniorprofessorinnen) zählen und deshalb gefördert werden sollen.
Alle Voraussetzungen von Exzellenz, wie transparente und integrative Betreuungsstrukturen, besonders anspruchsvolles Forschungsprogramm, kollegspezifisches Studienprogramm, das gemeinsam von Betreuern und Stipendiaten konzipiert wird sowie hohe Internationalität, insbesondere durch Zusammenarbeit mit dem Partnerprogramm IGERT (Integrated Education and Research Traineeship) "Urban Ecology" der University of Washington in Seattle, haben sich in der voran gegangenen sowie der derzeitigen Kollegphase ausgezeichnet bewährt.
3. Innovation» Nach oben
Das GRK 780/3 ist thematisch innovativ, weil es eine Zusammenarbeit von natur- und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen erforderlich macht, die sonst nicht erfolgen würde.
GRK 780/3 ist institutionell innovativ, weil es mit der University of Washington, aber auch anderen ausländischen Hochschulen (Warschau, Oslo, Rom, Lissabon, Toronto, Buenos Aires u.a.), Verwaltungseinrichtungen (Berliner Senat, Bezirksämter, auch international) und Wirtschaftsunternehmen zusammenarbeitet, also Partnern, die ohne dem Kolleg keinen Anreiz zur Kooperation hätten. Dies eröffnet den Kollegiaten Kontakte, Einblicke und Vernetzungen, die für ihre Forschungsaktivität, aber auch eine spätere Berufstätigkeit von hohem Wert sind.
GRK 780/3 ist strukturell innovativ, weil es mit dem außeruniversitären Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), dem Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) und dem "Zentrum für Metropolenforschung" (HU) zusammenarbeitet. Außerdem ist es dem Kolleg gelungen, sowohl in der ersten als auch in der zweiten Phase einen Anteil weiblicher Stipendiaten von über 60% zu erreichen.
Die Erfahrungen des Kollegs sollen durch die Entwicklung einer internationalen, thematisch einschlägigen "Graduiertenschule" verstetigt werden. Entsprechende Vorbereitungen im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern sind von den Antragstellern aufgenommen worden.
4. Internationalität» Nach oben
GRK 780 weist von Beginn an eine sehr starke internationale Komponente auf. Partner ist das von der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) geförderte IGERT-Projekt "Urban Ecology" der University of Washington in Seattle. Wissenschaftler aus Seattle nahmen nicht nur am 1. und 2. Internationalen Kongress des GRK 780 im November 2002 bzw. Oktober 2004 in Berlin teil. Im Juli 2003 fand ein gemeinsamer 14-tägiger Workshop in Berlin inklusive einer gemeinsamen Exkursion nach Warschau statt. Mehrere Stipendiaten weilten auch schon zu mehrwöchigen Aufenthalten in Seattle. Der Zielort der gemeinsamen Exkursion des GRK 780 im September 2004 war ebenfalls das Partnerprojekt in Seattle, wo ein zweiter einwöchiger Workshop stattfand. Ein dritter internationaler Workshop von GRK und IGERT fand im September 2005 in Berlin zusammen mit Praktikern aus verschiedenen europäischen Ländern statt. Zurzeit wird an der University of Washington eine gemeinsam von GRK und IGERT zusammengestellte Aufsatzsammlung deutscher und amerikanischer Autoren für den Druck vorbereitet (in Englisch mit deutschen und amerikanischen Herausgebern). Die weitere Zusammenarbeit wird sich auch in der beantragten Verlängerung durch gemeinsame Workshops, Konferenzen, gegenseitigen Besuch der Promovenden in Kleingruppen bzw. in Form einer Exkursion, jedoch noch weiter intensiviert, manifestieren. Neu ist bei GRK 780/3 die Integration des amerikanischen Programmdirektors John Marzluff als gleichberechtigter Antragsteller bzw. Mitglied der core faculty (inkl. einer beantragten Postdok-Stelle zur Unterstützung des deutsch-amerikanischen Wissenstransfers). GRK 780/3 funktioniert somit nahezu als "Internationales Graduiertenkolleg". Auch wird die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern in Berlin und Seattle auch nach Ablauf der intendierten Verlängerung 2011 zweifellos aufrechterhalten bleiben. Schließlich dient die Zusammenarbeit der beiden Partnerkollegs als Forschungsprojekt des Institute of Graduate Education der University of Washington (Internationale Metaebene mit NSF-Finanzierung) zur Untersuchung der Möglichkeiten und Risiken einer deutsch-amerikanischen Kooperation auf dem Graduiertenlevel.
Darüber hinaus werden aber auch - wie oben aufgeführt - weitere internationale Kontakte aufgebaut und gepflegt, die durch die Arbeit in den ersten beiden Kollegphasen entstanden sind, bzw. integriert wurden und deren Fortführung von beiden Seiten wünschenswert ist.
5. Nachwuchsförderung» Nach oben
Das GRK 780 weist unter seinen Co-Antragstellern drei Juniorprofessorinnen, drei Privatdozenten sowie drei Postdoktoranden aus der ersten Kollegphase auf. Herausragende Studierende sollen als Forschungsstudenten an die Fragestellungen des Kollegs herangeführt werden, was ebenfalls schon in beiden voran gegangenen Kollegphasen erfolgreich praktiziert wurde. Die Stipendiaten sollen durch Beteiligung an der Anleitung dieser Studierenden zu früher Selbstständigkeit in Forschung und Lehre motiviert werden.
6. Aufnahme von nicht durch die DFG geförderten Kollegiaten» Nach oben
Das GRK 780 hat bereits in seinen ersten beiden Förderphasen beste Erfahrungen mit ausländischen Kollegiaten (insbesondere aus Korea, Mexiko und Slowenien) erworben, die in der dritten Förderphase gepflegt und intensiviert werden sollen. Besonders sind die persönlichen Kontakte verschiedener Antragsteller nach Polen, Frankreich, Russland, Argentinien, Chile, China, Australien u.a. neben den privilegierten Beziehungen zum Partnerprojekt in Seattle für diesen Aspekt förderlich. Darüber hinaus sollen, wie bei Graduiertenschulen in Zukunft üblich, auch deutsche Promovenden als Kollegiaten zum Kolleg zustoßen. Auch hier überliegen positive Erfahrungen aus den ersten beiden Kollegphasen vor (z.B. Einbindung vom Land Berlin geförderter NaFöG-Promovenden und einer DAAD-Dissertandin).
7. Betreuungsstrukturen» Nach oben
Die gemeinsamen Betreuungsaspekte werden auf Grund der zwischenzeitlich gewonnenen Erfahrungen weiter entwickelt. Die Vorschläge des Wissenschaftsrates zur Neustrukturierung der Doktorandenausbildung dienen dabei als Leitbild. So ist grundsätzlich eine gemeinsame Betreuung einer Dissertation durch zwei Antragsteller oder einen Antragsteller und einen assoziierten Wissenschaftler vorgesehen, wobei letztere auch auf diese Art und Weise ihre spezifische Expertise in das Kolleg einbringen. Außerdem werden die Kollegiaten innerhalb der Clustern (s. u.) besonders eng zusammenarbeiten und mit den beteiligten Wissenschaftlern vierzehntägig zum Erfahrungsaustausch zusammentreffen. Schließlich ist von den Kollegiaten ein gemeinsamer Theorie basierter Text zu entwickeln, der allen Dissertationen vorangestellt und in dem die gemeinsamen Spezifika dieses GRK offen gelegt werden sollen. Der in der ersten Genehmigungsphase begonnene Prozess der Selbstevaluierung der Kollegarbeit wird zur iterativen Optimierung der Betreuungs- und Organisationsstrukturen eingesetzt. Dies soll auch durch das Einbeziehen externer Supervision unterstützt werden. Nach der Hälfte der Laufzeit wird, wie zurzeit in der laufenden Kollegarbeit, eine anonyme Befragung von Stipendiaten und Kollegiaten durchgeführt, um Defizite zu erkennen.
8. Außenkontakte zu öffentlichen Institutionen und zur Wirtschaft» Nach oben
Die vergleichsweise anwendungsnahen Fragestellungen des GRK 780 legen eine Zusammenarbeit mit den verschiedenen außeruniversitären Institutionen in Berlin nahe. Diese Kontakte sind z.B. in ausgewählten Bezirken, wie Treptow-Köpenick, in der ersten Kollegphase initiiert worden und sollen weiter gepflegt werden. Einerseits erfährt die Stadtverwaltung auf diese Weise von den neuen Forschungsergebnissen, andererseits wird eine Separation universitärer Arbeit von den realen Fragestellungen auf den verschiedenen Verwaltungsebenen vermieden.
Die Erfahrungen mit den ersten Wirtschaftskontakten in den vergangenen Jahren verdienen auch in der dritten Kollegphase eine erhöhte Aufmerksamkeit. Deswegen ist ein spezieller Kollegbeauftragter für Außenkontakte vorgesehen, der in Zusammenarbeit mit der Kollegkoordination entsprechende Kontakte aufbauen und fördern soll. Dieses ist sowohl hinsichtlich der späteren Berufsaussichten der Promovenden als auch bezüglich des Sponsorings sinnvoll. Die Information interessierter Wirtschaftsunternehmen bzw. der Abbau von Missverständnissen (Ökologie kontra Ökonomie) ist von allseitigem Interesse. Eine Einwegkommunikation allein aus der Wissenschaft heraus ist dabei zu vermeiden; das Kolleg strebt vielmehr ein permanentes Gespräch mit Wirtschaft und Verwaltung an.
Abb. 1: Einbindung des GRK 780 in das lokale und internationale Umfeld (externe Vernetzung mit ausgewählten Beispielen aufbauend auf den Erfahrungen der ersten beiden Kollegphasen)
