Stadtökologische Perspektiven II
Schrumpfende Großstädte: Strukturwandel als Chance für urbane
Naturentwicklung und verbesserte Lebensumwelt der Stadtbewohner

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Verkehrserreichbarkeit, -funktionalität, -verträglichkeit: Potenziale und Restriktionen für die gewerbliche Folgenutzung innerstädtischer Verfügungsflächen

Stipendiatin: Anke Ruckes

Die Stadtentwicklung in Deutschland ist in den letzten Jahren durch eine auffallende Gleichzeitigkeit geprägt: ein Nebeneinander von Schrumpfung und Abstieg auf der einen Seite sowie Wohlstand und Wachstum auf der anderen. Hintergrund für diese Entwicklung sind die mit globalen Trends oftmals verknüpften Verlagerungen von ökonomischen Aktivitäten, Strukturwandel, Arbeitsplätzen und Bevölkerung von den Kernstädten in das Umland. Die Stadt Berlin ist ebenfalls durch Schrumpfungs- und Konsolidierungsprozesse betroffen.
Innerhalb der innerstädtischen Bereiche von Städten tritt in zunehmendem Maße das Phänomen des Brachfallens oder des Entstehens von Verfügungsflächen auf. In der planerischen Betrachtung bekommt in diesem Zusammenhang die Bewertung von Nachnutzungspotenzialen von Verfügungsflächen und die Entwicklung von Konzepten ein besonderes Gewicht. Durch die Nutzungsaufgabe im Zuge von Schrumpfungsprozessen werden Chancen für die Stadt gesehen u. a. im Hinblick auf eine stärkere Diversifizierung der städtischen Nutzungen in den innerstädtischen Bereichen.
Die Entwicklung in den Städten war in den 1990er Jahren von einer Abwanderung der Wohnbevölkerung aus der Kernstadt in das angrenzende Umland gekennzeichnet. Seit geraumer Zeit ist dieser Prozess auch beim Gewerbe festzustellen. Der Bereich Gewerbe ist von besonderer städtebaulicher und ökologischer Bedeutung: das Gewerbe besitzt einerseits eine herausragende Bedeutung für die Funktion der Stadt und andererseits zeigt diese Nutzung starke Tendenzen zur Suburbanisierung. Mit der Entstehung von Gewerbegebieten im Umland sind unerwünschte Nebeneffekte wie Flächenverbrauch und steigende Verkehrsmengen verbunden.
Neuste Arbeiten (vgl. Hesse 2004) zeigen, dass in der Stadt im Zuge des Strukturwandels eine bedeutende Auslagerung der Logistikfunktionen aus den Kernstädten stattfindet und diese als treibende Kräfte der gewerblichen Suburbanisierung gelten können. Die beschriebenen negativen Effekte verschärfen sich bei verkehrsintensiven, distributiven Gewerbezweigen wie Groß- und Einzelhandel, Transport und Logistik. Die besonderen funktionalen sowie verkehrs- und bautechnischen Ansprüche gelten gemeinsam mit dem hohen Flächenbedarf der Anlagen als wichtige Barrieren für eine Ansiedlung gewerblicher Nutzungen. Die Logistik ist aufgrund der Störeffekte kaum noch im Bestand unterzubringen. Gleichwohl gibt es unter bestimmten Bedingungen weiterhin eine relevante Nachfrage nach gut erreichbaren, störungstoleranten innerstädtischen Standorten.
Ein zentrales Aufgabenfeld der kommunalen Gewerbepolitik besteht deshalb in der Standortvorsorge. Dabei muss zunächst die Sicherung vorhandenen gewerblichen Flächen, soweit ökonomisch und ökologische vertretbar, das Ziel sein. Angesichts eines anhaltenden "Flächenverbrauchs" ist der Wiedernutzung von Verfügungsflächen grundsätzlich der Vorzug vor Neuausweisungen (z. B. am Stadtrand) zu geben. Für eine Funktionsfähigkeit der Stadt sind Logistikstandorte danach weiterhin und unter bestimmten Rahmenbedingungen auch in innerstädtischen Bereichen sinnvoll. Eine systematische Erschließung von Potenzialen zur flächensparenden Standortwahl für Logistikunternehmen kann den Beitrag der Logistik zur Expansion der Stadt begrenzen. Die Arbeit geht deshalb der Frage nach, unter welchen Bedingungen sich innerstädtische Bereiche für eine Ansiedlung bzw. Bestandsicherung von Logistikunternehmen eignen.

HESSE, M. (2004): Gütertransport und Logistik im Urbanisierungsprozess. Untersuchungen zur Standortdynamik und zu den siedlungsstrukturellen Implikationen des Strukturwandels in der Logistik, mit zwei Fallstudien in Berlin-Brandenburg und Nordkalifornien. Berlin.